Mehr US-Soldaten, aber keine Bodentruppen in Syrien

250 weitere Soldaten haben die USA nach Syrien entsandt. Reguläre Bodentruppen sollen aber auch weiter nicht gegen den IS kämpfen, denn US-Präsident Obama will keinen Bodenkrieg. Seine Kritiker sagen, seine Taktik sei zögerlich und fördere das Chaos.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Keine regulären Bodentruppen in Syrien – das ist und bleibt das Mantra von US-Präsident Barack Obama. Trotzdem schickte er in dieser Woche 250 weitere Soldaten dorthin: “Sie werden den Kampf am Boden nicht anführen, aber sie werden örtlichen Kräften Training und Unterstützung anbieten, um den IS zurückzutreiben.”

Die US-Strategie ist: Lokale Kräfte sollen den Kampf gegen die Terrorgruppe “Islamischer Staat” führen. Allerdings ist es mühsam, geeignete Kräfte zu finden. Die US-Soldaten vor Ort sollen dabei helfen, erklärte Pentagon-Sprecher Peter Cook: “Die neue Ergänzung wird auf dem Erfolg aufbauen, den die 50 Spezialkräfte haben, die vorher nach Syrien geschickt wurden. Sie haben unser Bild des Schlachtfeldes verbessert, Kontakte zu einheimischen, fähigen Kräften geknüpft und unsere Zielgenauigkeit verbessert. Die neuen Kräfte werden das erweitern und aufbauen auf dem, was funktioniert.”

Die Hoffnung ist, auf diese Weise den “Islamischen Staat” weiter zurückzudrängen. Das Ziel lautet Rakka, Hochburg und so etwas wie die Hauptstadt des IS in Syrien. Die USA hoffen darauf, die besonders schlagkräftigen kurdischen Kämpfer könnten dabei erfolgreich sein. Allerdings suchen sie auch arabische Truppen.

US-Soldaten besteigen eine Militärmaschine. | Bildquelle: dpa

Vorsichtige oder zögerliche Taktik?

Scott Mann hat 18 Jahre lang bei den US-Spezial-Truppen gearbeitet, er erklärte beim National Public Radio (NPR): “Sie arbeiten bei, mit und durch einheimische Kräfte. Es ist der alte ‘Lawrence von Arabien’-Ansatz: Eine kleine Gruppe von Kämpfern mischt sich unter eine örtliche Kultur, spricht die Sprache, bleibt lange, und hilft örtlichen Kräften von Grund auf.”

Die Haltung der US-Regierung ist klar: Sie will Erfolge, sich aber nicht in einen langwierigen Bodenkrieg hineinziehen lassen. Diese vorsichtige Taktik stößt in Washington seit langem auf Kritik, zum Beispiel beim republikanischen Senator John McCain: Sie seien immer einen Schritt zurück, einen Tag zu spät und einen Dollar zu knapp.

Die Entsendung von 250 zusätzlichen Soldaten sei ein weiterer zögerlicher Schritt auf einer gefährlichen Straße schrittweiser Eskalation. McCain sagte, er fühle sich an die Anfänge des Krieges in Vietnam erinnert.

John McCain | Bildquelle: AP

Schwierige Partner

McCain ist seit langem Kritiker der Außenpolitik von Präsident Obama, besonders seiner Zögerlichkeit im Nahen Osten: “Wir haben uns zurückgezogen und zurückgehalten und versuchten uns zu überzeugen, das alles gut sein wird. Das Ergebnis: Es hat sich keine neue Ordnung im Nahen Osten entwickelt, nur Chaos.”

Das Chaos in Syrien macht es umso schwerer, eine Lösung zu finden. Im Kampf gegen den “Islamischen Staat” setzen die Amerikaner besonders auf die Kurden – was der Verbündete Türkei nicht gerne sieht – vorsichtig formuliert.

Der mühsam gefundene Waffenstillstand im syrischen Bürgerkrieg ist so gut wie am Ende – was den gemeinsamen Kampf gegen den Islamischen Staat weiter erschwert. Obama will diese Probleme nicht alleine schultern, das hat er in dieser Woche wieder deutlich gemacht: Er erhofft sich mehr von seinen Alliierten, in der Region, aber besonders auch in Europa.